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Trotz bedecktem Himmel geht es nun endlich zum Milford Sound!
Erst 30 Kilometer am Lake Te Anau entlang, dann allmählich in weit geschwungenen Kurven bergauf geht das Teerband, auf dem wir natürlich nicht ganz allein sind. Touristenbusse und Privatautos schlängeln sich mit uns Richtung Westen, naja, so schlimm ist es nicht. Bald kommen wir an weiteren Seen vorbei, der Wald wird höher und dichter, die Bäume voller Moos und Aufsitzerpflanzen, richtiger Regenwald, den wir so mögen! Sogar auf der doch viel befahrenen Straße zeugen grüne Mooslagen zwischen den Fahrspuren von hohen Niederschlagsmengen. Weiter bergauf, die Straße wird kurviger, die Abhänge steiler. Imposante Bergpanoramen bieten sich hinter den Kurven, von steilen Felsen herab fällt in hohen schmalen Wassergirlanden das abschmelzende Gletscherwasser, um sich im hellblauen Fluss im Tal zu sammeln. Manche Touristen sind so fasziniert von diesen An- und Ausblicken, dass sie mit ihren Campern mitten auf der Straße zum Fotografieren stehenbleiben und den gesamten Verkehr blockieren. Niemand stört sich daran, in Neuseeland hat man Zeit.
Dann ein kleines Brückchen, wie die meisten seiner Art einspurig gebaut. Auf der Bergseite ein wunderschöner glasklarer Wasserfall, der gesamte Verkehr bleibt stehen, nichts geht mehr. Es ist einfach zu schön! Rund um die Kaskaden ein Paradies aus Farnen und Moosen, kleine Regenbögen im Sonnenlicht…Weiter steigt das Tal an, bis wir auf eine steile Wand zufahren, wo offenbar die Welt zuende ist.
Und nun? Bald sehen wir ein schwarzes Loch in der Felswand: durch den Berg wurde ein 1500 Meter langer, einspuriger Tunnel gebohrt, der abwechselnd in beide Richtungen zu befahren ist. Dunkel ist es da drinnen… Als wir auf der anderen Seite wieder ins Licht hinausfahren, sind wir erst geblendet, dann überwältigt von dem sich eröffnenden Ausblick auf steil aufragende, bewaldete Felsen, die sich zum Meer hin auseinanderziehen. In den langen Serpentinen bergab bieten sich immer wieder neue Perspektiven, es wird allmählich wieder wärmer und dann kommen wir in dem touristischen Magnet Milford Sound an. Der Ort besteht im Wesentlichen aus einem Schiffsterminal, von dem aus im Stundentakt unterschiedlich große Schiffe auf ihre Fjordrundfahrt starten. Außerdem sehen wir auf unserer kurzen Rundfahrt ein recht teures Restaurant, einen Hotelbetrieb mit Campingplatz und einen kleinen Flugplatz für die obligatorischen „Scenic Flights“. Wir fahren zum Hafen, wo ich mir für sechzig „Kiwidollars“ ein Ticket für eine Fjordrundfahrt besorgen darf. Thomas verzichtet großzügig auf die Mitfahrt, offiziell, um unsere Reisekasse zu schonen, aber sicher auch wegen seines gegen Wellen empfindlichen Magens und bleibt lieber an Land und genießt das Panorama von dort. Es erinnert uns sehr an norwegische Fjorde…
Pünktlich um 14:50 Uhr stehe ich, mit allen Kameras, Fernglas, Sonnenbrille und Käppi in voller Moppedmontur am Kai und werde mit etwa dreißig weiteren Mitfahrern an Bord des Katamarans „Lady of the Sounds“ gelassen. Wir strömen alle gemeinsam direkt auf das Oberdeck. Die Sonne scheint, das Schiff setzt sich vibrierend in Bewegung über das klare flaschengrüne Wasser.
Der Kapitän begrüßt über Lautsprecher seine Gäste an Bord. Er entschuldigt sich dabei für das untypische Wetter: normalerweise würde es regnen, aber wir müssten heute leider mit Sonne vorlieb nehmen (haha..). Tatsächlich ist Milford Sound mit etwa 56 Metern (!) Regen pro Jahr wirklich einer der nassesten Flecken auf der ganzen Erde. Wir an Bord finden uns schweren Herzens damit ab, auf diese typische Eigenart des Ortes zu verzichten. Bald schon freue ich mich jedoch über meine warme und winddichte Kleidung, denn etliche Mitfahrer müssen bald wegen dem kräftigen Wind nach unten in die Kabine entweichen. Ich kann dank meiner Ausrüstung die ganze Zeit oben bleiben und verpasse keinen Meter der fantastischen Szenerie. Das Schiff folgt dem südlichen Ufer des Fjords, immer dicht an den senkrechten Felswänden entlang. Erstaunlicherweise sind die Wände fast bis zur Wasserlinie mit Bäumen und Sträuchern bewachsen – wie können die sich bloß an dem soliden Fels halten?
An verschiedenen Stellen ergießt sich aus größeren oder geringeren Höhen Wasser aus den Bergen in den Fjord, sehr dekorativ!
Wir folgen allen Ausbuchtungen des Fjords und begegnen hinter einer Kurve einer Horde Pelzrobben, die dort auf einem großen Felsen die nachmittägliche Sonne genießen und sich nicht im Geringsten stören lassen. Der Kapitän stoppt das Boot rückwärts bis auf einige Meter an den Felsen heran, alle dreißig Kameras an Bord schießen auf die wehrlosen Tiere, die sich als Reaktion höchstenfalls dazu herablassen, sich mit der Schwanzflosse am Hinterkopf zu kratzen, um sich dann wieder auf den sonnenwarmen Fels zu kuscheln.
Etwa eine halbe Stunde später erreichen wir den Anfang des Fjords, wo wir über die offene Tasman-Sea schauen können und Wellen und Wind deutlich an Stärke zunehmen. Hier kommt das Schiff ziemlich ins Schaukeln, man muss sich gut festhalten! Nur ein Stück weit fahren wir aufs Meer hinaus, dann dreht das Schiff bei und wir geraten wieder in das ruhigere Wasser des Fjords hinein, diesmal am anderen Ufer entlang. Wieder ganz andere Ansichten bieten sich dort: wir hatten erzählt bekommen, in Neuseeland gäbe es Wasserfälle, die der Schwerkraft widerstehen könnten. Es gibt sie tatsächlich, ich kann es bezeugen! Vom Westwind getrieben, hat das Wasser keine Chance, an der Felswand hinab zu fließen. Stattdessen zerstiebt es nach oben hin, es sieht aus, als qualme ein Lagerfeuer. Höchst erstaunlich! Als wir in den Hafen einlaufen, ist es fast 17 Uhr, die Sonne verschwindet allmählich von den zurückliegenden Felsen. Thomas erwartet mich gespannt am Kai. Ich laufe ihm mit seemännisch schaukelndem Gang entgegen, mit dem Kopf und zwei Kameras voller schöner Eindrücke.
Mit schmerzendem Sitzfleisch erreichen wir schließlich die Stadt Broome. Sie ist der Inbegriff des Seeurlaubsortes an der einsamen australischen Westküste. Sechs große Caravanparks, zwei Shopping-Center und alles an sonstiger Infrastruktur, was der zivilisationsverwöhnte Urlauber so braucht, findet sich hier. Wir müssen zur Post, um ein paar postlagernde Päckchen mit Ersatzteilen abzuholen. Leider sind sie noch nicht da. Zu dumm, was nun? Da sich der Tag neigt, fragen wir bei der Touristinfo nach dem günstigsten Campingplatz.. Etwas später steht das Zelt auf einer kleinen Anhöhe mit Blick auf das abendlich blaue Wasser der Roebuck Bay.
Wäsche waschen, Luftfilter reinigen (dringend nötig nach dem Staub auf den Pisten), Ich wechsele Jollys vorderes Kettenritzel, das ich zuletzt in Kanada getauscht habe. Es wäre inzwischen gut als Kreissägeblatt zu brauchen mit weit über 20.000km auf den scharfen Zähnen. Bis Montag müssen wir noch in der Nähe bleiben, um auf unser Paket zu warten. Da uns der Caravanpark zu langweilig wird, packen wir zusammen und fahren nördlich aus der Stadt hinaus. Der Teer hört bald auf, es geht auf einer sandigen Wellblechpiste weiter. Mangels Ausschilderung biegen wir an einem kleinen Nebenweg ab, Thomas fährt „mal checken“, ich warte an der Abzweigung. Ein Wagen hält neben mir an und eine Frau fragt freundlich, ob alles okay sei. Als ich sie nach freien Zeltplätzen frage, schlägt sie vor, dass wir mit zu ihrem Stellplatz kommen könnten. Ja, es sei etwas sandig, dorthin zu kommen, aber dann sehr schön. Wir fahren im Konvoi durch die Dünenlandschaft. Harte Arbeit für die schweren Bikes. Irgendwann sitzt Foster im Sand fest. Wir bauen seine Koffer ab und stellen sie bei Evelyn, so heißt unsere neue Freundin, ins Auto. Ohne Koffer und mit kräftigem Schieben wühlt Thomas sich mit Foster durch den Sand. Es ist heiß, wir pfeifen auf dem letzten Loch, da zaubert Evelyn aus ihrem Auto ein paar halbkühle Getränkedosen. Tut das gut!
Die letzten Meter geht es über festen Sandstein, dann sind wir da: ein flaches Kliff über einem menschenleeren weißen Sandstrand, dort steht ein höchstens mittelgroßer Wohnwagen, aus dem Evelyns vier fröhliche Kinder herausquellen. Rob, ihr Mann, ist gerade mit dem Boot auf dem Wasser.
Ja, schön ist es hier wirklich! Das Meer glänzt in der Sonne, kleine Wellen laufen auf den Strand. Dort unten kommt Rob mit dem Boot angefahren und sagt ebenfalls Hallo. Dann geht die ganze Familie baden. Ich traue mich erst nicht, weil Evelyn von Haien gesprochen hatte, aber dann ist es doch zu verlockend und ich kann nicht widerstehen. Herrlich erfrischend ist das Wasser und so klar, dass sich bestimmt kein Hai ungesehen anschleichen kann. Vorsichtshalber halte ich mich in der Nähe der Anderen auf, wir können unser Bad im türkisen Wasser ungestört genießen.
Abends sitzen wir alle zusammen auf dem Kliff und bewundern den Sonnenuntergang über dem weiten Meer. Breiter, weißer Sandstrand bis zum Horizont zu beiden Seiten, kein Mensch ist zu sehen.
Bei Sonnenaufgang schleiche ich mich aus dem Zelt und gehe mit der Videokamera auf die Pirsch. Zahllose Spuren der vielen nachtaktiven Einsiedlerkrabben finden sich überall in den Dünen, eine Schlangenkriechspur, kleine Pfotenabdrücke.. Noch ist die Luft kühl, ich gehe weit nach Norden entlang dem Kliff, am Strand zurück. Auf dem Rückweg bin ich beladen mit Strandgut: Muscheln, Schneckenhäuser, Seeigel, Korallen. Ich breite meine Schätze auf einem Felsen aus und halte sie mit der Kamera fest, da ich ja leider auf dem Motorrad nicht alles Schöne mitnehmen kann. Was für Farben!
Nach dem Frühstück sitzen wir lange mit dem Fernglas auf der Kliffkante und schauen übers Wasser. Große Vögel lassen sich auf der Jagd nach Fischen wie Pfeile ins Meer fallen, kleine Boote fahren weit draußen vorbei. Dann sehe ich einen großen Schatten kurz hinter der Brandung – ein Hai? Nein, es taucht eine dicke Nase auf und atmet: wow, ich habe einen Dugong erspäht! Schnell laufe ich die Klippe hinab, doch als ich am Wasser ankomme, ist die Seekuh schon weit draußen. Sie sind sehr scheu, erfahre ich.
Als Rob mit Sohn Ben von seinem morgendlichen Fischzug mit zwei großen Makrelen zurückkommt, erzählt er, sie hätten neun Buckelwale gesehen, weit draußen im Meer!
So vertrödeln wir den warmen Tag. Es gibt keine Bäume auf unserem Kliff, also auch keinen Schatten, außer im Zelt. Die vielen kleinen Fliegen sind nervig: sie fliegen uns sehr penetrant immer ins Gesicht und lassen sich kaum verscheuchen.
Beim nächsten gemeinsamen Schwimmen entdecken wir in einiger Entfernung eine größere Anzahl von aufgeregten Vögeln, die offensichtlich einen Fischschwarm ausgemacht haben. Auch im Wasser ist ordentlich was los: man sieht große Rücken auftauchen, es spritzt heftig, wenn die großen Räuber mit den Schwänzen schlagen. Genau können wir leider nicht erkennen, wer dort unterwegs ist.
Zum Dinner sind wir bei unseren „Nachbarn“ eingeladen: es gibt frische Makrele, dazu Kartoffelbrei und Tomatensalat, hmmm! So kommen wir außerdem in den Genuss, uns den kleinen aufklappbaren Wohnwagen von drinnen anzuschauen, in dem die sechsköpfige Familie mit den Kindern Michelle (12J.), Benjamin (11J.), Rebecca (7J.) und Sarah (5J.) seit drei Jahren wohnt. Ein lebendiges Durcheinander herrscht, wie sollte es auch anders sein, aber alle wirken sehr entspannt und gehen freundlich miteinander um. Beachtlich! Die vier Kids sitzen auf einem großen Bett und schauen sich einen Film auf DVD an, während die Eltern das Essen zubereiten. Auf dem Bett bekommen sie auch ihre Teller in die Hand, wir vier „Großen“ sitzen an dem kleinen Tisch. Später gehen wir gemeinsam raus und gucken uns die Sterne an. Die Familie war kürzlich in einem kleinen Hobby-Observatorium und alle sind nun sehr interessiert daran, die dort kennengelernten Sterne wiederzufinden. Hier gibt es die optimalen Voraussetzungen dafür: kein Streulicht, der Mond ist heute nicht unterwegs, es funkelt von einem Horizont bis zum anderen. Sogar ein paar Sternschnuppen sehen wir! Die Wellen rauschen regelmäßig wie ein gewaltiger Atem an den Strand. Wir schieben das kleine Boot etwas höher hinauf, denn die nächtliche Flut soll heute etwas höher ausfallen.
Bangkok wurde früher auch das „Venedig des Ostens“ genannt, wegen seiner vielen Kanäle, die die Stadt durchziehen. Heute sind diese Kanäle stinkende Kloaken, in denen Müll schwimmt. Halb über der graubraunen Brühe hängen ärmliche Wohnungen, die so notdürftig gebaut sind, dass man jeden Moment damit rechnet, sie fallen zu sehen. Ein Mann hängt Wäsche zum Trocknen auf, seine Hütte schwankt bedrohlich..
An fast jeder Straßenecke schaut der thailändische König aus überlebensgroßen, goldgerahmten Fotos visionär und gebieterisch über sein Volk hinweg. Vor den monumentalen Regierungsgebäuden, an denen wir vorbeiwandern, stehen bewaffnete Garden, aber trotzdem erscheint uns das Straßenleben sehr entspannt. Auch jetzt am Vormittag ist der Verkehr bei Weitem nicht so schlimm, wie wir befürchtet haben und wir können bei Bedarf gefahrlos die Straßen kreuzen. Auf diesem ersten Spaziergang stolpern wir auch gleich, sozusagen, über einige der vielen goldgeschmückten Tempelanlagen der Stadt, steigen mit Hunderten, hauptsächlich einheimischen Besuchern, die vielen Stufen des Golden Mountain-Tempels empor, läuten die vielen schweren Glocken auf dem Weg zum Himmelreich und freuen uns über die Verdunstungskühle in der Nähe der künstlichen Wasserfälle neben den Treppen. Zurück auf der Straße bemerken wir, dass erstaunlich viele Spaziergänger mit großen Spielzeug-Pumpguns ausgerüstet und einige mit recht feuchter Kleidung unterwegs sind..? Je weiter wir ins Zentrum der Altstadt und Richtung Khaosan Road, dem Zentrum des hiesigen Backpackerlebens, kommen, desto nasser und lustiger werden die Leute und auch wir bleiben nicht trocken. Es gibt nicht nur Wasser aus den Pistolen oder auch einfach aus großen Eimern geschöpft, sondern außerdem noch, großzügig verteilt, eine hellgraue, gipsartige Masse, die einem von völlig fremden Menschen mit einem fröhlichen: „Happy New Year“ mit den Händen ins Gesicht geschmiert wird. Das ist also der Grund für den feuchten Bürgerkrieg: man feiert heute Songkran, den thailändischen Jahreswechsel! Völlig ahnungslos über die lokalen Bräuche haben wir genau den richtigen Moment für unser Thailandabenteuer gewählt!!
Auf der Khaosan Road selbst ist schließlich jeder klitschnass und weiß beschmiert, ein Riesenspaß! Besonders viel Spaß macht es, die meist jugendlichen Insassen tausender herumfahrender Tuk Tuks im Vorbeifahren mit Eimerladungen voll Wasser zum Kreischen zu bringen. Wir „älteren Herrschaften“ unter den Farangs (=westliche Touristen) werden zwar auch bespritzt und beschmiert, aber deutlich mit höflicher Vorsicht. Wenn die Feiernden bemerken, dass wir eine Kamera dabei haben, bemühen sie sich, uns das Wasser nur über einen Arm oder die Beine zu gießen. Alle sind guter Laune und die vielen Touristen sind herzlich eingeladen, mitzufeiern. Alle Backpacker stürzen sich begeistert in diese Party: „Happy new year“!